„Inzwischen leiten wir viele unserer Aktivitäten vom Festival ab“
Worum geht es beim Festival der Zukunft?
Wolfgang Kerler: Vier Tage Sommer, Technologien und Ideen für eine bessere Zukunft, mitten in München. Das ist der kurze Slogan. Im Grunde geht es uns darum, die Leute zu informieren und zu inspirieren – über die neuesten Entwicklungen in Technologien, aber auch generell über Innovationen und Ideen für eine bessere Zukunft. Und das alles auf vielfältige Weise erlebbar zu machen. Von Keynotes über Diskussionen und Workshops bis zu Ausstellungen und Live-Performances.
Krischan Lehmann: Einer der Ausgangspunkte war die Überlegung, dass es möglich sein muss, die South by Southwest aus Austin, Texas, mit all ihren positiven Vibes auch in München in irgendeiner Form zum Leben zu bringen. Für mich ist es auf der einen Seite eine Form von Abenteuerspielplatz, auf dem ich mich wie ein Fanboy leidenschaftlich thematisch ausleben kann. Auf der anderen Seite geht es darum, ein Produkt für Menschen zu schaffen, dieses Zusammenbringen von Leuten und in bestimmte Themen reinzustechen und Anregungen zu liefern. Das ist eine Mischung, die es hochattraktiv macht.
Wie kam es denn dazu, dass ihr ein Festival, ein Online-Magazin, eine Community und Events miteinander verbindet?
Wolfgang Kerler: Die Vorgeschichte liegt in der Spätphase der deutschen Ausgabe von Wired. Ich hatte mich auf die Redaktionsleitung beworben und Krischan hatte die Stelle ausgeschrieben. Da haben wir bereits über ein ähnliches Konzept gesprochen. Nämlich, dass die Wired ein Medium ist, das sich mit Zukunft beschäftigt, mit neuen Technologien. Und Zukunft ist etwas, was noch nicht passiert ist. Man muss Leuten also die Möglichkeit geben, darüber zu diskutieren, sich darüber auszutauschen, und sie mitzugestalten. Und deshalb kam damals schon der Gedanke, dass Community und Veranstaltungen eine logische Verlängerung dazu sind. Als es dann mit Wired zu Ende ging und wir nicht mehr an irgendwelche Verlagsgeschäftsmodelle aus dem letzten Jahrhundert gebunden waren, haben wir gesagt: Lasst uns das doch verknüpfen.
Wie hat sich die Konferenz bis heute verändert?
Wolfgang Kerler: Zunächst einmal beim Namen. Ganz am Anfang hieß sie „1E9 The Conference“. 2019 dauerte sie einen Tag und fand bereits im Deutschen Museum statt. Es war eine Tech-Konferenz, aber schon damals etwas anders als viele klassische Veranstaltungen: Es gab Künstler, Mitmachformate, Workshops, Diskussionen und eine Afterparty im Club. So grundlegend anders als heute war sie also gar nicht. Dazwischen haben wir allerdings einige Umwege genommen. Wir haben Streaming-Events veranstaltet, dafür das alte Planetarium im Deutschen Museum wieder erschlossen und von dort aus eine rein digitale Ausgabe umgesetzt. Danach folgte eine hybride Ausgabe. Die große Veränderung kam 2022, als das Deutsche Museum den Gebäudeteil, in dem wir auch unser Büro haben, zum Forum der Zukunft machte. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits begonnen zu kooperieren. Daraus entstand die Idee, die Veranstaltung gemeinsam weiterzuentwickeln: nicht mehr als 1E9-Konferenz, sondern eine Nummer größer als „Festival der Zukunft“. Unser Gedanke war, die Tech- und Innovationscommunity, die wir ohnehin ansprechen, mitzunehmen und uns gleichzeitig stärker für die Öffentlichkeit zu öffnen, so wie wir es auch mit unserem digitalen Content tun. Der größte Teil unserer Inhalte ist frei zugänglich. Wir wollen viele Menschen mit Ideen und Perspektiven für die Zukunft erreichen. Gleichzeitig gibt es Bereiche, die sich gezielt an unsere Kerncommunity richten. Daraus entstand auch das heutige Modell: zwei Tage mit Tickets, zwei Tage frei zugänglich. Seitdem heißt die Veranstaltung Festival der Zukunft. Verändert hat sich dadurch vor allem, dass es heute viel stärker ein Plattform-Event ist. Unser Firmenname steht nicht mehr im Vordergrund. Das macht es für andere einfacher, sich anzudocken und Teil des Ganzen zu werden. Inhaltlich ist das Festival breiter geworden: mehr Gesellschaft, mehr Kunst, mehr Erlebnisse, mehr Experience.
Krischan Lehmann: Wir hatten 2019 schon ein ziemlich gutes Format. Eines der Treppenhäuser war zur Hälfte rot und zur Hälfte grün angemalt. Die beiden Seiten standen für „Ja“ und „Nein“. Bei bestimmten Fragestellungen mussten sich die Besucher:innen je nach ihrer Position auf die entsprechende Seite der Treppe setzen. So wurden Diskussionen unmittelbar sichtbar und die Menschen konnten ihre Haltung physisch ausdrücken. Das haben wir später in dieser Form gar nicht mehr hinbekommen. Aber rückblickend war das ein ziemlich guter Start.
Ist das Festival ein Mittel zur Markenstärkung oder Teil des publizistischen Produkts?
Krischan Lehmann: Wir haben das Festival lange als Leuchtturmevent betrachtet, in dem all das kulminiert, was wir über das Jahr hinweg machen. Inzwischen leiten wir viele unserer Aktivitäten vom Festival ab. Das hat sich verändert.
Wolfgang Kerler: Heute gehen wir viel stärker von den Fragen aus: Welche Themen sind gerade wirklich relevant? Welche Debatten sind akut? Wer treibt sie voran? Dadurch ist das Festival deutlich journalistischer geworden. Gleichzeitig ist unsere digitale Plattform stärker zu einem Festival geworden – genauso wie unsere kleineren Formate. Wir versuchen, die Mischung, die wir beim Festival schaffen, auch digital abzubilden, sodass am Ende alles wie eine logische Einheit wirkt. Die Idee ist, dass man das ganze Jahr über mit 1E9 und dem Festival verbringt. So weit sind wir noch nicht, aber das ist das Ziel.
Wie eng sind denn die Konferenzinhalte mit eurem Online-Magazin verzahnt?
Wolfgang Kerler: Das wächst immer stärker zusammen. Die Themen waren eigentlich schon immer dieselben, weil wir durch unsere kontinuierliche journalistische Arbeit sehr früh an vielen Entwicklungen dran sind. Dadurch bekommt man ein gutes Gefühl dafür, welche Themen in einem halben oder dreiviertel Jahr relevant sein werden. Was wir in den letzten ein bis zwei Jahren verstärkt versuchen, ist, dass auch die Personen dieselben sind. Wenn man darauf achtet, merkt man zum Beispiel, dass unser Magazin personenfokussierter geworden ist. Wir stellen nicht mehr nur Themen, Start-ups oder Entwicklungen vor, sondern verknüpfen sie, wann immer möglich, mit konkreten Menschen. Und genau diese Menschen wollen wir dann auch auf dem Festival haben. Denn am Ende sind unsere Interviewpartner und Speaker Teil unserer Community. Das ist die eine Ebene. Die andere ist, dass wir systematischer darauf schauen, welche Themen wir in den Monaten vor dem Festival journalistisch vorbereiten und bei welchen wir bereits darauf hinweisen können, dass wir sie auf dem Festival vertiefen werden. Umgekehrt überlegen wir auch, welche Themen wir nach dem Festival weiterführen. Aufgrund unserer Teamgröße schaffen wir das noch nicht immer so konsequent, wie wir es gerne hätten. Aber grundsätzlich haben wir uns vorgenommen, dass die digitale Plattform die 361 Tage Festival der Zukunft ist – und das Festival selbst dann an vier Tagen als Höhepunkt stattfindet. Das gilt für die Themen, die Personen und insgesamt für die Mischung dessen, was wir machen.
An welche Zielgruppe richtet sich das Festival und wie unterscheidet die sich von der Online-Community?
Wolfgang Kerler: Da muss man zunächst unterscheiden: Wir haben die Konferenztage, also die ersten beiden Tage, für die man ein Ticket braucht, und wir haben die Familientage. Künftig werden wir die Zielgruppen auch programmatisch noch stärker unterschiedlich ansprechen. Wenn wir auf die Konferenztage schauen, die für uns natürlich finanziell der wichtigste Teil sind, dann gliedern wir die Zielgruppe grob in zwei Gruppen: Innovators und Creators. Also Menschen, die Zukunft gestalten, weil sie zum Beispiel im Bereich neuer Technologien arbeiten. Das können Leute aus Start-ups, Wissenschaft, Industrie, Beratung oder auch der öffentlichen Verwaltung sein. Mit Creators meinen wir Menschen, die sich inhaltlich mit diesen Themen beschäftigen und damit arbeiten – also Künstler, Menschen aus der Kreativbranche oder Medienschaffende. Wenn man eher auf das Mindset schaut, dann sind es neugierige Menschen, die offen sind, die Chancen von Technologien und Innovationen sehen und etwas bewegen wollen. Am Wochenende sagen wir: Das Festival ist für die ganze Stadt. Idealerweise können die Leute, die Donnerstag und Freitag da sind, ihre Kinder mitbringen und sie für diese Themen begeistern. Man kann ihnen zeigen: Schau mal, damit beschäftige ich mich die ganze Zeit bei der Arbeit. Vielleicht ist das auch etwas für dich. Im Grunde würden wir sagen, dass das auch die Zielgruppe unseres Magazins ist. Es wäre schön, wenn das komplett deckungsgleich wäre. Da sind wir aber noch nicht. Die digitale Zielgruppe ist natürlich viel größer. Mit dem Magazin erreichen wir in einem Monat ein Vielfaches der Menschen, die zum Festival kommen, obwohl wir dort inzwischen auch über 10.000 Besucher:innen haben. Online haben wir eine deutlich höhere Reichweite, die wir zum Teil gar nicht beeinflussen können, weil sie stark von Algorithmen abhängt.
Welche Formate nutzt das Festival?
Wolfgang Kerler: Wir haben ganz klassische Formate wie Keynotes, Vorträge und Diskussionsrunden. Manchmal sind es eher Gesprächsrunden, manchmal tatsächlich Diskussionen. Wir wünschen uns grundsätzlich mehr echte Diskussionen. Oft sitzen auf einem Panel Menschen, die bei vielen Dingen ohnehin einer Meinung sind. Ein Format, das wir schon immer gern eingesetzt haben, sind Pitches – von Start-ups oder innovativen Projekten. Da entsteht einfach eine besondere Energie, weil die Leute ihre Ideen sehr konzentriert und auf den Punkt präsentieren. Daneben gibt es interaktivere und partizipativere Formate wie Workshops und Meetups. Neu hinzugekommen sind auch mehr Eins-zu-eins-Gespräche auf der Bühne, also podcastartige Formate. Ein wichtiger Bestandteil ist auch unsere Ausstellung. Dort kann man von Medienkunst über Technologiedemonstratoren bis hin zu Prototypen ganz unterschiedliche Dinge erleben. Dazu bieten wir Guided Tours an, die sehr gut funktionieren und immer voll sind. Außerdem gibt es Live-Musik und Live-Performances, die zum Teil ebenfalls interaktiv sind. Und wir versuchen, möglichst viele Community-Formate einzubauen, bei denen Menschen wirklich miteinander ins Gespräch kommen. Am Ende verkaufen wir eine Experience, ein Erlebnis im wahrsten Sinne des Wortes. Da fließt alles zusammen. Deshalb überlegen wir schon am Anfang: Mit welchem Gefühl sollen die Leute nach Hause gehen? Was wollen wir ihnen mitgegeben haben?
Krischan Lehmann: Auffällig ist, dass wir die Formate inzwischen viel stärker komponieren. Früher haben wir eher in einzelnen Themenblöcken gedacht. Heute überlegen wir stärker, wie wir die Besucher:innen durch das Programm führen und auf eine Reise mitnehmen können. Entsprechend müssen die einzelnen Elemente aufeinander abgestimmt sein. Wir achten darauf, dass sich Inhalte nicht unnötig überschneiden und dass sich daraus ein stimmiges Gesamterlebnis ergibt. Beim Programmgestalten fällt mir immer stärker auf, dass es um die gesamte Experience geht. Natürlich hat man dabei einen idealtypischen Besucher:innen im Kopf. Man kann das Programm nicht für jeden Einzelnen optimieren. Aber wir überlegen zunehmend, wie jemand diese Reise durch das Festival erleben könnte. Wir nehmen für uns auch in Anspruch, als Storyteller bessere Formate entwickeln zu können als eine klassische Konferenz. Weil wir nicht nur einzelne Programmpunkte organisieren, sondern versuchen, eine Geschichte weiterzuerzählen. Ob uns das gelingt, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Aber genau dieser Anspruch treibt uns an.
Welche Rolle spielt das Deutsche Museum als Partner?
Wolfgang Kerler: Einerseits ist das Deutsche Museum natürlich ein großartiger Partner, weil es jeder kennt und weil es für genau die Themen steht, mit denen wir uns beschäftigen: Technologie und Wissenschaft. Gerade am Anfang hat uns das wahnsinnig geholfen, weil es uns sofort einen Vertrauensvorschuss verschafft hat. Das ist eine anerkannte Institution und entsprechend auch ein Türöffner. Inhaltlich ist das Museum beim Festival in alle Prozesse eingebunden. Das Deutsche Museum und die Teams vor Ort sind für uns enorm wichtig. Sie machen vieles möglich, was wir allein nicht leisten könnten. Gleichzeitig erschließen wir das Gebäude und bestimmte Formate auch für das Museum. Es ist eine sehr gewinnbringende Partnerschaft.
Krischan Lehmann: Die Herausforderung besteht darin, dass die Leistung eines kleinen Start-ups sichtbar bleibt, wenn dahinter eine so große Institution steht. Gerade am Anfang hatten wir das Problem, dass wir oft nicht als eigenständiger Akteur wahrgenommen wurden. Viele Menschen gingen automatisch davon aus, dass es sich um eine Veranstaltung des Deutschen Museums handelt. Natürlich möchten wir, dass die gemeinsame Leistung sichtbar wird. Gleichzeitig soll der Beitrag von 1E9 nicht untergehen.
Wie finanziert sich das Festival?
Wolfgang Kerler: Wir haben drei Säulen: Sponsorings von Unternehmen, öffentliche Förderung und Ticketverkäufe. Im Moment machen Sponsorings rund zwei Drittel aus, Förderung und Tickets zusammen zu gleichen Teilen ein Drittel. Unser Ziel ist, dass alle drei Säulen irgendwann relativ gleich stark sind, damit wir nicht zu stark von einer einzelnen abhängig sind, wenn es in einem Bereich mal nach unten geht. Aktuell sind es grob gesagt etwa 60 Prozent Sponsoring, 20 Prozent Förderung und 20 Prozent Tickets. Öffentliche Förderung hatten wir jahrelang gar nicht, weil wir auch nicht wirklich die Kapazitäten hatten, uns erstmals durch dieses Dickicht zu kämpfen. Inzwischen haben sich aber belastbare und gute Verbindungen ergeben. Die höchste Marge hatten wir tatsächlich in den digitalen Jahren. Bei den Events waren die Jahre 2022 und 2023 dann ebenfalls ganz gut, was die Rentabilität angeht. Richtig hart war die Inflation, die 2024 voll durchgeschlagen hat. Es war Wahnsinn, welche Mehrkosten wir plötzlich für das gleiche Setup hatten. Deshalb war 2024 ein schlechtes Jahr. 2025 konnten wir die Profitabilität wieder deutlich steigern. Das lag auch daran, dass wir ganz bewusst gespart haben. An vielen Stellen mussten wir die Produktionskosten um zehn bis fünfzehn Prozent senken. Trotzdem sah das Event deutlich opulenter aus als im Jahr zuvor. Wir haben an vielen Stellen einfach smart umgeschichtet. Events sind nicht per se Cash-Cows. Man könnte dieses Event aber deutlich besser monetarisieren, als wir es aktuell tun. Mit einem größeren Team, in dem sich jemand ausschließlich um Partnerschaften kümmert und jemand anderes nur um Marketing und Ticket-Promotion, könnte man wahrscheinlich mit dem bestehenden Eventkonzept deutlich mehr Umsatz erzielen. Bei uns scheitert das im Moment schlicht an der Teamgröße.
Gab es eine strategische Annahme oder Erwartung, bei der ihr gemerkt habt: Das funktioniert so nicht?
Krischan Lehmann: Wir haben die Unterstützung durch die großen Akteure ein Stück weit überschätzt. Wir sind in dieses Münchner Ökosystem gekommen mit der Idee, Silos aufzubrechen und Menschen zusammenzubringen. Unsere Annahme war, dass wir dafür automatisch mehr Unterstützung von großen Playern bekommen würden, die hier ansässig sind. Das war schwieriger als gedacht. Nette Worte und Schulterklopfen gibt es viele. Handfeste Unterstützung muss man sich sehr hart erarbeiten. Gerade bei einigen der großen Technologieunternehmen in München hatten wir anfangs höhere Erwartungen an das, was durch die Begeisterung für unsere Vision entstehen könnte.
Wolfgang Kerler: Alles kostet mehr Kraft, als man am Anfang denkt. Irgendwann verinnerlicht man das aber und ist nicht mehr überrascht davon, wie mühsam manche Dinge sind. Das gilt auch für den Ticketverkauf. Man muss die Leute immer wieder anschieben. Deshalb haben wir inzwischen Preisstufen eingeführt, damit sich die Verkäufe etwas nach vorne verlagern. Sonst kaufen 90 Prozent der Menschen ihre Tickets erst wenige Tage vor dem Festival. Man ist von so vielen Unwägbarkeiten abhängig – vom Wetter bis zu Dingen wie Corona, das bei uns natürlich vieles durcheinandergewirbelt hat. Trotzdem lohnt sich die Anstrengungen, immerhin findet jetzt schon das fünfte Festival der Zukunft statt.
Ist ein Festival auch etwas für klassische Medienorganisationen?
Wolfgang Kerler: Veranstaltungen sind für den Journalismus ein wichtiges Zukunftsfeld. Die Menschen erleben heute einen Overkill an digitalen Inhalten und gleichzeitig eine zunehmende Vereinsamung. Wenn man es schafft, Menschen über spannende Inhalte zusammenzubringen und ihnen ein gemeinsames Erlebnis zu bieten, dann ist das ein sehr starkes Produkt – gerade für kleine, neue Player wie uns. Medien haben dafür die inhaltliche Kompetenz, und Journalist:innen ebenfalls. Als das rettende Geschäftsmodell für etablierte Unternehmen sehe ich das allerdings schwieriger. Wenn man in Dimensionen vorstoßen will, die für große Verlagshäuser wirtschaftlich wegfallende andere Erlöse ausgleichen können, landet man schnell bei Größenordnungen wie dem OMR Festival in Hamburg. Dann braucht man eine echte Eventmaschine. Und dafür sind viele Verlage zu langsam, zu träge und zu wenig operativ aufgestellt. Entweder man gibt sehr viel Geld an Eventagenturen aus, dann fühlt sich das Ergebnis aber oft nicht mehr wirklich nach der eigenen Marke an. Oder man baut die Kompetenzen selbst auf, sodass die Veranstaltung tatsächlich die Marke verkörpert und die Besucher:innen erleben können, wie diese Marke denkt und arbeitet. Für kleinere Events funktioniert das hervorragend.
Krischan Lehmann: Im Kern geht es darum, den eigenen Markenwert gemeinsam mit anderen zu feiern. Das müsste eigentlich jeder Marke gelingen. Wenn man einen klaren Kern hat, kann man daraus ein Erlebnis machen und überlegen, welche Themen oder Aktivitäten daran anschließen.
Wolfgang Kerler
Wolfgang Kerler ist Mitgründer und Chefredakteur von 1E9. Der mehrfach ausgezeichnete Journalist war vorher unter anderem Redaktionsleiter von Wired bei Condé Nast Deutschland.
Krischan Lehmann
Krischan Lehmann ist Mitgründer und Head of Platform & Community von 1E9. Er war viele Jahre Digital Director bei Condé Nast Deutschland für Marken wie Vogue, Glamour, GQ und Wired.
1E9
Das 2019 von gegründete Community-Medium 1E9 beschäftigt sich inhaltlich mit Technologien und versteht sich als Zuhause für Zukunftsoptimist:innen. Seit der Gründung war eine Konferenz fester Bestandteil des journalistischen Konzepts. Das Festival der Zukunft in Kooperation mit dem Deutschen Museum kombiniert eine internationale Fachkonferenz mit offenen Publikumstagen.
Website: 1e9.community
1E9 Denkfabrik GmbH
Matthias Haslauer